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Augenfällig ist schließlich und vor allem
eines. Obwohl es auf den ersten Blick so schien, als wäre die Zeit vor 54
Jahren stehen geblieben, als das 27. Schlesische Musikfest stattfand, das
Programm ganz in der Tradition der vorangegangenen 26 stand und sein Festort
wieder Görlitz war, so wird nach den zuweilen grausamen Erschütterungen des
letzten Jahrhunderts Schlesien heute vornehmlich als ein Kulturraum verstanden,
von dem Teile zu Polen, Tschechien und Deutschland gehören. Schlesien war
übrigens Zeit seines Bestehens ein Land des geistigen wie materiellen
Austausches, durchflutet von deutschen, böhmischen und polnischen Einflüssen.
Und so kann dieser Landstrich heutzutage nur als Brücke zur Verständigung
zwischen den Menschen in der Region gesehen werden.
Der Impuls der Schlesischen Musikfeste seit ihrer Wiederbelebung 1996 muss
zwangsläufig ein weitergehender sein. Zwar soll das Musikfest unverändert auch
Gruppen aus der Region ein Podium der besonderen Art bieten, jedoch muss es
zugleich die Grenzsituation in der EUROREGION NEISSE und in den Städten Görlitz
/ Zgorzelec reflektieren. Das Schlesische Musikfest ist ein
grenzüberschreitendes Projekt, bei dem Laien- und Berufskünstler aus
Deutschland, Polen und Tschechien gemeinsam auftreten und somit einen
wesentlichen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Die Veranstalter knüpfen
dabei erneut an die Tradition der Kunst in den früheren deutschen Provinzen an,
verlängern die Linien in die Gegenwart und verknüpfen sie mit den Kulturen und
der Kunst der heutigen Nachbarstaaten Polen und Tschechien. Damit leitstet das
Schlesische Musikfest an der Nahtstelle des künftigen Europas zweierlei: Es
erinnert an die bleibenden Wirkungen von Künstlern aus den ehemals deutschen
Gebieten in Ostmitteleuropa und stellt sie in einen neuen Kontext an der Grenze
von Deutschland, Polen und Tschechien.
Somit verknüpft das Fest die Gebiete des
historischen Schlesiens, lädt zu Entdeckungen auf ungewöhnlichen Pfaden ein und
liefert anschaulich ein Beispiel, dass die Region Oberlausitz/Niederschlesien
aus sich heraus voller Potenzial steckt.
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