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In seiner verdienstvollen Schrift „Die
Schlesischen Musikfeste und ihre Vorläufer“, 1925 bei Hoffmann und Reiber in
Görlitz erschienen, verwies der Musikerzieher der Luisenschule, Max
Gondolatsch, auf die Traditionslinie, die fast über das gesamte 19. Jahrhundert
hinweg zu den Schlesischen Musikfesten führte. Große Chorwerke, insbesondere
von Händel und Haydn, kamen in Breslau und ab 1820 auch in Görlitz mehrmals zur
Aufführung. Die Gesangsvereine einzelner Orte waren nicht imstande, derart
anspruchsvolle Aufgaben allein zu meistern. So kam es ganz von selbst, dass
sich Sänger und Orchester benachbarter Städte zusammentaten. Träger dieser
Bestrebungen waren Pastoren, Organisten und Kantoren der Kirchen sowie die
Musiklehrer der Schulen. Den festen Stamm für das Chorsingen bildeten zunehmend
die Lehrergesangsvereine. Im Mittelpunkt stand das gemeinsame Singen, wie es
aus Gottesdienst und Schulunterricht vertraut war.
Das erste der insgesamt 15 Schlesischen
Gesangs- und Musikfeste vereinte 1830 in Kynau 130 Sangesfreunde. Weitere Feste
gab es in Salzbrunn, Reichenbach, Freiburg, Schweidnitz, Striegau, Waldenburg,
Jauer, Brieg, Liegnitz, Landeshut, Breslau und auch in Görlitz. Christliches,
nationales und restauratives Gedankengut der Romantik äußerte sich auch in
einem Statut für diese Feste. Die örtlichen Gesangsvereine sollten „außer der
größeren Befähigung in der Musik für Schule und Kirche nichts anderes als
Stärkung in allen guten Gesinnungen für das Vaterland und namentlich für den
König und die hohen Landesbehörden sowie Ermutigung und Aufheiterung für eine
immer segensreichere Amtsführung zum Zweck haben.“
Anfangs beschränkten sich die Konzerte auf
Orgelwerke und die Darbietung überwiegend sakraler Werke durch Männerchöre.
Alsbald bildeten sich aber gemischte Chöre, in denen die Frauenstimmen vorerst
in der Minderzahl blieben. Zunehmend kamen Orchesterwerke, Gesangs- und
Instrumentalsolisten ins Programm. Im Repertoire der Chöre gewannen
Kompositionen einheimischer Musikschaffender an Raum und Bedeutung. Religiöse
Inhalte fanden Ergänzung durch vaterländische und naturverbundene Texte.
Die Programmgestaltung bewegte sich weg vom
weitgehend kirchlichen Inhalt und von der Gestaltung allein durch
Männergesangsvereine. Die Zukunft gehörte großen Chorwerken, Oratorien,
gemischten Chören, sinfonischen Orchestern und hochrangigen Solisten. Gefragt
waren auch bedeutende Orchesterwerke in vollendeter Darbietung: Sinfonien,
Ouvertüren, Violin- und Klavierkonzerte, Kammermusik. Dieser Übergang zu einer
höheren Form schlesischer Musikpflege ließ nicht lange auf sich warten. Schon
1876 begann die stattliche Reihe der Schlesischen Musikfeste.
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