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Irma Mühsam, Frau des Görlitzer Dichters
Paul Mühsam, schrieb am 4. Juni 1928 über das 20. Schlesische Musikfest in
Görlitz, das sie als Chorsängerin mitgestaltet hatte: „Nun ist das Fest aus!
Es war so unbeschreiblich schön, ...man lebte in einem Taumel, ...das Singen
war ...wundervoll und beglückend ...Zum Schluss überschüttete ein Rosenregen
Furtwängler und den Chor.“ Und am 25. Mai 1931 schwärmte sie über das 21. Fest
rückblickend: „Es war ein einziger Rausch ...Ich konnte so herrlich intensiv
genießen. Es ist doch eine ganz große Beglückung gewesen ...Die Begeisterung am
Schluss der Konzerte war überwältigend.“ Generationen von Musikfreunden in
Görlitz dürften das ähnlich empfunden haben. Augenzeugen, die heute noch unter
uns sind, bestätigen es immer aufs Neue.
Auch wenn spätere Rückerinnerung manches
Erlebte verklärt, waren die Schlesischen Musikfeste von 1876 bis 1942
unbestritten glanzvolle und mitreißende Höhepunkte im Musikleben
Niederschlesiens. Spitzenorchester, Laienchöre und ein begeisterungsfähiges
Konzertpublikum begründeten und bewahrten eine Tradition, die immerhin über
sieben Jahrzehnte hinweg das Profil dieser Landschaft mit prägte. Seit 1889 war
fast ausnahmslos Görlitz, die zweitgrößte Stadt Niederschlesiens, Gastgeber der
Schlesischen Musikfeste, und das mit Hingabe und Qualität. Preußen durfte
Schlesien zu seinen leistungsfähigsten Provinzen zählen. Wirtschaftlicher
Aufstieg verband sich hier mit kultureller Blüte. Wissenschaft und Literatur
brachten Leistungen von nationalem und internationalem Rang hervor. Görlitz
leistete nicht zuletzt mit seiner Musikkultur einen nennenswerten Beitrag zum
geistigen Reichtum Schlesiens. So ist es begreiflich und natürlich, dass die
deutsche Einigung von 1990 auch die Rückbesinnung auf unsere geschichtlichen
Wurzeln beflügelte. Gemeinsam mit unseren Nachbarn jenseits der Neiße suchen
wir auch in unserer Vergangenheit Anregungen für heutiges und künftiges
Kulturschaffen. Dazu gehört der Versuch, nach 54 Jahren die Schlesischen
Musikfeste in Görlitz wieder zu beleben.
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